03 Mai 2018

Rezension zu: Die Chronik von Calveron 1 - Der Absolvent

Kurz:
Der erste Band des Zweiteilers "Die Chronik von Calveron" ist in meinen Augen eine Symbiose zwischen Lehrwerk und Roman. In einer Fantasywelt lernen wir Leser verschiedene Personen kennen, die entweder alles für ihre Heimat oder für ihre eigenen (meist egoistischen) Ziele machen, und dabei nicht nur das Land auf einen erneuten Krieg sondern auch auf wirtschaftliche Probleme zusteuern. Das dort neue, in unserer Welt alltägliche Finanzinstrument wird sehr verständlich erklärt. Die Protagonisten bleiben für mich aber alle zu oberflächlich und die Spannung hätte noch ein paar mehr Schübe gebrauchen können.
3 Lilien

Inhalt

Kann eine simple Idee ein Königreich ins Wanken bringen?
Bei einem Vortrag stellt der Student Craig Privos eine Erfindung vor, die das Potenzial hat, den Handel zu revolutionieren. Ein gerissener Geschäftsmann sieht daraufhin seine Zeit des Aufstiegs gekommen und nimmt den Absolventen bei sich auf.
Derweil ringt Königin Marisela Caprenius mit den Folgen des vergangenen Krieges. Ihr Vorhaben, im Reich für Frieden und Wohlstand zu sorgen, gerät in Gefahr, als die Protektorate ihre eigenen Ziele verfolgen. Ehe sich Marisela versieht, muss sie ihre gesamte Willensstärke aufwenden, um das Vermächtnis ihres Vaters zu bewahren.

Ein Fantasy-Roman, der historische Vorkommnisse aufgreift und in einer Geschichte verwebt, die erschreckend nah an der Realität ist.
 
 

Meine Meinung 


Zuallererst erstmal die Info, dass dieses Buch kein klasssicher Fantasyroman ist. Es gibt keine nicht-menschlichen Wesen, keine Magie und ich würde die Handlung auch nicht so interpretieren, dass man sagen könnte, dass irgendjemand eine Quest zu absolvieren hätte. Da ich das schon vor dem Lesen durch die Buchvorstellung wusste, bin ich natürlich auch mit anderen Erwartungen an den Dilogie-Auftakt herangegangen und trotzdem konnte mich das Buch nicht zur Gänze von sich überzeugen.

Calveron ist ein Königreich und die wichtigsten Handlungsorte sind die drei großen Städte Xandarion, Thalios und Galanthor. Obwohl ich Craig als Hauptprotagonisten einordne, folgen wir vielen anderen Personen, um deren Handlungen verstehen zu können. Das Gute daran ist, dass wir als Leser wissen, was geplant wird und uns selbst Gedanken darüber machen können, wie sich das auf die Geschichte auswirken könnte. Das nicht so gute daran ist, dass es sehr viele Personen gibt, denen wir folgen und diese leider nicht alle mit Tiefe überzeugen können. Also eigentlich fand ich alle Protagonisten nicht so recht überzeugend ausgearbeitet. Es bleibt zu oberflächlich, was vielleicht auch durch den Handlungsschwerpunkt entstanden sein könnte. Trotzdem gab es welche, die ich mehr mochte als andere, welche, die ich überhaupt nicht leiden konnte und am liebsten aus der jeweiligen Stadt gejagt hätte und Personen, die ich nicht richtig einschätzen konnte, weil sie nie so reagierten, wie ich erwartet hatte.

Die hauptsächliche Handlung ist auf wirtschaftliche Verflechtungen ausgelegt. Craig entwickelt Termingeschäfte und genau diese und deren Funktionweise werden durch die Handlung erklärt. Der Autor erklärt sie sehr verständlich und unterstützt die Erklärungen mit Grafiken. Auch findet man Fußnoten zu Lehrwerken oder mit weiteren Hinweisen, die sich auf unsere echte Welt beziehen. Da mir durch mein Studium Termingeschäfte nicht fremd sind und ich persönlich auch kein Fan von Fußnoten in Romanen bin, habe ich nach kurzen Ansehen zu Beginn des Lesens für den Rest des Buches ignoriert. Wer sich für Wirtschaft interessiert, wird die Handlung sicher interessant finden, alle anderen .. tja, das kann ich nicht einschätzen. 

Ich hatte gehofft, dass durch Marisela ein bisschen mehr klassische Fantasy zu finden sein wird. Leider fand ich Marisela total passiv, was ich nicht gedacht hätte, da sie ja im Klappentext hervorgehoben wird. Mir fehlten die Elemente aus anderen Fantasybüchern. Einen Handlungsstrang, der ein bisschen mehr abseits der wirtschafltlichen Seite verläuft und trotzdem mit dem verwoben wäre, hätte mich sicher mehr an das Buch fesseln können. Ich konnte einfach vieles voraussehen, dass die wirtschaftlichen Veflechtungen runtergebrochen sind und durch nur drei fast monopolistisch wirtschaftlich dastehende Städte auch viel einfacher zu durchschauen sind als unsere echte Welt.

Ich würde das Buch als Symbiose von Lehrwerk und Roman beschreiben. Sicher ein interessanter Ansatz für Personen, die durch einen Roman etwas über Termingeschäfte und deren positive wie negativen Komponenten lernen wollen. Allerdings hat mir persönlich die Spannung oftmals gefehlt.

 

Zum Buch 

Autor: Rodrik Andersen
Verlag: Selfpublish 
407 Seiten als Print 
Erschienen im Januar 2018
ISBN: 978-3-7450-8074-2 

Reihe: Die Chronik von Calveron
(1) Der Absolvent (2) ?

*Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dies hat keinen Einfluss auf meine Bewertung.

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