10 April 2018

Rezension zu: Das Mündel der Hexe

Kurz:
Das Mündel der Hexe überzeugt mit der Art und Weise, wie die Welt beschrieben wird, sodass ich mir vieles sehr gut bildhaft vorstellen konnte. Auch die Protagonistin Ita ist sympathisch und ich mochte sie begleiten. Leider verlor ich bei der Handlung oftmals den roten Faden und Ita agierte für mich nicht immer nachvollziehbar. Doch es gab auch einige überraschende Wendungen, die die Geschichte sehr spannend machten. Das Ende konnte mich leider nicht überzeugen. Die noch offenen Fragen wurde für meinen Geschmack zu schnell abgehandelt.

Inhalt

Rhyntal 1354: Die junge Konstanzerin Ita erfährt kurz vor der Verbrennung der als Hexe angeklagten Almut, dass diese nicht ihre leibliche Mutter ist. Nur mit einem Bernsteinkreuz als Hinweis begibt sich Ita im Gefolge einer Gauklertruppe auf die Spuren ihrer wahren Herkunft. Doch der Weg ins ferne Rhyntal ist weit und gefährlich. Schon bald überstürzen sich die Ereignisse, als ein päpstlicher Konvoi überfallen wird und die seit Jahrhunderten verschollenen Codices und Schriftrollen aus der einstigen Bibliothek von Alexandria verschwinden. Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass Ita erfährt, wo sich die Beute befindet. Kurzerhand entschließt sie sich, zu handeln. Die Suche nach ihrer Mutter vorerst völlig vergessend, begibt sie sich in die Höhle des Löwen…   
Quelle: Droemer-Knaur

Meine Meinung 


Zurück ins Rhyntal. Ich hatte ja schon Die Flucht der Magd von Doris Röckle gelesen, welche 32 Jahre vor den Geschehnissen hier spielt und kannte daher ihren Schreibstil. Daher hat er mich diesmal nicht überraschen können. Wir folgen zwar hauptsächlich Ita, aber springen auch in diesem Band an alle wichtigen Orte, damit wir als Leser erfahre was geschieht. Es sei denn, wir sollen wie Ita ahnungslos bleiben, damit die Spannung nicht drunter leiden. Ich finde, man muss als Leser diese Art des Erzählens mögen. Was ich aber schön fand, dass man Orte aus Die Flucht der Magd wiederbesucht, auch wenn man keine bekannten Personen wiedertrifft. Zumindest sind mir keine aufgefallen. 

Ita ist eine sympathische Protagonistin, die nach ihrer Flucht aus Konstanz bei Gauklern landet und als Magd in verschiedenen Burgen arbeitet, während sie nach ihrer leiblichen Mutter sucht. Allerdings ist diese Suche hier in der Geschichte sehr stark im Hintergrund und auch die Hexenverfolgung ihrer Stiefmutter wird zwar erwähnt, aber das war es dann auch schon. Allgemein hat mir irgendwie der rote Faden gefehlt. Ich fand, dass die ganze Handlung nur durch Zufälle vorangetrieben wurde. Was ja an sich nicht schlimm ist, aber ich hatte das Gefühl hier gab es zu viele Zufälle. Und wenn Ita durch ihre Entscheidungen, die Handlung beeinflusst, dann habe ich teilweise ihre Beweggründe nicht ganz nachvollziehen können. Es war toll, dass sie so neugierig ist und wissen will, was für Geheimnisse ihre Herrschaften haben, aber sie hat auch so einiges mitgemacht, ohne vorher Erklärungen zu bekommen. Und sich für eine Person, der sie noch nicht mal richtig vertraut, in Lebensgefahr zu begeben, ohne zu wissen, wieso, dass konnte ich nicht so ganz nachvollziehen.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass wir nicht nur Ita begleiten, sondern auch anderen Personen folgen. Hier fand ich es sehr schön, dass wir als Leser zwar wissen, was passiert ist und so gewisse Handlungsstränge verstehen können, aber gleichzeitig lässt uns Doris Röckle unwissend über die Motive der Personen bzw. eröffnet sie uns erst, wenn auch Ita diese erfährt. Das war toll und hat die Geschichte spannend gemacht. Besonders Gustavo, der Gaukleranführer, ist ein Charakter, den ich bis zuletzt nicht einordnen konnte und dessen wahre Identität mich überraschen konnte.

Das Ende des Buches konnte mich leider nicht überzeugen. Ich ahnte schon ab Mitte des Buches, wer die Mutter von Ita ist und wurde da auch bestätigt, aber der Rest vom Ende hat bei mir eher Fragezeichen hervorgerufen. Es wurde da fast alle offenen Fragen sehr schnell abgehandelt. Eine Person, von der ich dachte, dass sie als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt ist, wurde auf eine Art und Weise gerettet, die ich sehr merkwürdig fand und auf einmal spricht Ita vom Heiraten, obwohl sie den Mann, für den sie schwärmt und der anscheinend auch sie mag, nur wenige Male gesehen hat und dann gab es zwischen denen in der ganzen Handlung auch nicht wirklich eine Unterhaltung. Das nenne ich nicht Liebe und fand daher den Heiratsantrag auch unglaubwürdig.  

Was mir aber sehr gefallen hat, war wie Doris Röckle die Lanschaften, Orte, Burgen und vor allem in letzteren das Leben und Arbeiten beschrieben hat. In der einen Burg habe ich mich als Leser wohlgefühlt, in einer anderen sah ich den Dreck vor meinen Augen und mir tat jeder Leid, der da zwischen Schweinen und Mist schlafen bzw. kochen sollte. Naja, nicht alle, da gab es einige Personen, denen ich noch Schlimmeres gewünscht hätte.

Zum Buch 

Autorin: Doris Röckle
Verlag: Droemer-Knaur
622 Seiten als Print 
Erschienen im November 2017
ISBN: 978-3-426-21667-5

*Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dies hat keinen Einfluss auf meine Bewertung.

Kommentare:

  1. Guten Morgen Jana,

    Eine tolle Rezension zum Buch, die mich allerdings eher darin bestärkt, das Buch nicht lesen zu wollen. Den Titel finde ich tatsächlich auch etwas komisch gewählt, wenn noch nicht mal viel mit Hexen vorkommt. Da hätte ich dann wohl etwas anderes erwartet. Ich mag meist lieber historische Romane mit Personen, die wirklich gelebt haben. Die Geschichte um Ita und die Beute scheint ja doch eher fiktiv zu sein.

    LG, Moni

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    1. Trotz dem Jana, fühle ich mich jetzt einfach mal angesprochen ;)

      Ja, bis auf den Anfang und manchmal die Ängste von Ita, dass man sie als Kräuterkundige der Hexerei verdächtigen könnte, wird das Thema nicht weiter vertieft. Ich bin allerdings schon wegen des Klappentextes davon ausgegangen, dass das keine so große Rolle spielen wird.
      Es gibt laut der Legende hinten im Buch Personen, die wirklich gelebt haben, aber viele sind ausgedacht und die Autorin schreibt selber im Nachwort, dass sie sich die Freiheit genommen hat, ein paar geschichtliche Fakten zeitlich zu verschieben. Was mir persönlich auch nicht gefällt, allerdings kenne ich mich selbst da auch nicht aus und fand es sehr gut, dass die Autorin dies im Nachwort erklärt.

      Gruß Isbel

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    2. Hey Isbel,

      Sorry, ich weiß gar nicht, wie da Jana drauß geworden ist. 😂
      Oh je, das mag ich ja auch besonders gerne, veränderte Daten. Ohne Nachwort würde ich es wohl tatsächlich nicht unbedingt merken, gebe ich ja auch zu. Wenn es kein Nachwort gibt, mag ich das aber mindestens genauso wenig, weil ich das dann irgendwie so wenig einschätzen kann. Bei historischen Romanen muss es für mich mehr als eine schöne Geschichte sein, irgendwie... Das lässt sich schwer erklären.

      LG, Moni

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    3. Moni, das hat mich gar nicht so gestört. Ich habe mich viel zu sehr über das Kommentar im Allgemeinen gefreut :D

      Ich teile Historische Romane grob in zwei Kategorien ein.
      1. Spielt in der Vergangenheit, aber Personen sind hauptsächlich fiktiv und auch die Geschehnisse beziehen sich nur am Rande auf wirkliche Begebenheiten. Da interessiere ich mich beim Lesen gar nicht so für die geschichtlichen Fakten, sondern eher, ob auf mich die Gesellschaft und das Leben authentisch wirkt. Hier würde ich auch "Das Mündel der Hexe" einordnen.

      2. Es tauchen so viele Personen auf, die wirklich gelebt haben und es berührt wahre Begebenheiten. Da erwarte ich einfach, dass der/die Autor/in supergut recheriert hat, dass es nicht zu Fehlern kommt. Auch die Charakterdarstellung muss dann in meinen Augen mit den Überlieferungen übereinstimmen. Ich kann zwar das meiste nicht kontrollieren und bin auch selbst keine Historikerin, aber ich hoffe einfach, dass ich den Autoren dann vertrauen kann. Freiheiten bei der Ausgestaltung gibt es ja immer noch genügend. Bei solchen Romanen googel ich auch gerne mal nach Stammbäumen oder so.

      Ich liebe es, wenn Romane mich dazu animieren selber was zu geschichtlichen Aspekten zu lesen. Das hatte ich zum Beispiel beim Roman "Blutiges Land". Das spielt im 30jährigen Krieg und schon beim Lesen habe ich angefangen zu googeln und mir Schlachtausgänge durchgelesen, nur um dann noch mehr Angst um die Protagonisten zu haben.

      lg Isbel

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    4. Ja, so wäre auch meine Einteilung. Ich lese deutlich lieber Kategorie 2, aber Kategorie 1 kommt auch durchaus vor. Mein jetziges Buch wäre wohl auch eher Kategorie 1. Jakoba hat zwar gelebt, aber außer beim Prozess ist sie historisch nicht in Erscheinung getreten.

      LG, Moni

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