20 Januar 2018

{rezension} Das Mädchen mit der goldenen Schere

Autor: Julia Drosten // Verlag: Selfpublish // Einband: ebook 
// Seiten: 393 // ISBN: 978-3000587214 // Erschienen: 12.2017


Meine Wertung: 

Vielen Dank an Julia Drosten für das Rezensionsexemplar!



Klappentext


Am Weihnachtsmorgen 1889 wird Fanny im Allgemeinen Wiener Krankenhaus geboren. Ihre Mutter besteht auf einer anonymen Geburt und verlässt das Krankenhaus kurz danach ohne ihr Kind. Fanny wächst im Findelhaus auf, wo sie von der Oberpflegerin Josepha mit liebevoller Strenge erzogen wird. Sie muss früh lernen, sich durchzusetzen und wird eine erfolgreiche Maßschneiderin, deren Entwürfe in der Modewelt Trends setzen. Das ungelöste Rätsel ihrer Herkunft lässt sie nie los, aber alle Spuren zu ihren Wurzeln führen ins Nichts.
Beruflich äußerst erfolgreich, bleibt ihr in der Liebe das große Glück verwehrt. Als der Erste Weltkrieg endet, der ihre Karriere jäh unterbrach, tun sich neue Chancen auf: Nicht nur das gemeinsame Leben mit ihrer großen Liebe rückt plötzlich in greifbare Nähe, auch das Geheimnis ihrer Herkunft scheint Fanny endlich lüften zu können.
Quelle: Amazon


Meine Meinung


Der Klappentext hatte mich irgendwie etwas anderes erwarten lassen. Ich dachte, es dreht sich mehr um die Modewelt und die Liebe. Aber stattdessen begleiten wir Fanny von ihrer Geburt bis ins Jahr 1919 und erleben wichtige Abschnitte aus ihrem Leben, die sie verändern und ihr Leben in neue Richtungen verlaufen lassen. Oftmals steht Fanny an einem Scheideweg und muss sich entscheiden, welcher Weg für sie am besten ist. Mode und Liebe sind immer noch ein Thema, aber  hauptsächlich geht es doch darum, sich nicht zu verbiegen und aus dem, was man hat, das Beste zu machen. Fanny hat es nicht leicht. Der Makel ihrer Geburt, ihr Dickkopf, der ihr so manche Stellung kostet, die damaligen gesellschaftliche Verhältnisse, etc. - alles Dinge, denen Fanny sich stellen muss. Aber sie ist ein starker Charakter. Obwohl das Buch in eine völlig andere Richtung ging, als ich erwartete, habe ich es gerne gelesen und Fanny auf ihrem Weg begleitet. Vor allem da ich als Leser ja wusste, dass Fanny und die anderen Personen, die man mit Fanny kennenlernt, den ersten Weltkrieg miterleben werden.

Mich hat hier auch der Schreibstil sehr stark von der Geschichte überzeugen können. Am Anfang fand ich den wienerischen Dialekt etwas nervend, weil er meinen Lesefluss gestört hat, aber am Ende ahnte ich meistens, was die Wörter bedeuten. Es gibt zwar ein Glossar, aber da gucke ich bei Ebooks nie rein, weil es mich nervt, immer von Seite zu Seite zu springen. Ich fand, dass die Erlebnisse sehr klar und nachvollziehbar beschrieben werden, ohne dabei aber zu emotionsgeladen zu werden. Gut, bei der Liebesgeschichte hätte es bisschen mehr Tiefe geben können, die ist bei mir nicht so ganz angekommen. Vielleicht lag es auch daran, dass teilweise Monate bzw. Jahre übersprungen wurden. Für die Schrecken im Krieg fand ich das aber sehr passend. Klar, man hätte dies auch viel eindrücklicher schreiben können, aber ich persönlich mochte dann doch die Distanz, die gewahrt wurde. Ich neige dazu, bei Geschichten über wahre grausame Begebenheiten stark mitzuempfinden, weil ich dann immer an die echten Opfer denken muss, weswegen ich es normalerweise vermeide irgendwas über den ersten und zweiten Weltkrieg zu lesen.

Fanny hat mich total von sich überzeugen können und ich fand sie und ihre Handlungen authentisch. Auf der einen Seite der Wunsch ihre Pflegemutter nicht zu enttäuschen, auf der anderen Seite aber auch der Wunsch sie selbst sein zu können und herauszufinden, was das Leben für sie bereithält. Ich fand, dass man bei den beiden schon bemerkt hat, wie sich die gesellschaftlichen Verhältnisse damals gewandelt haben. Tradition gegen Moderne. Aber auch die Freundinnen, die Fanny findet, tragen alle ein Last mit sich und müssen entscheiden, wie sie damit umgehen und ob sie für sich selbst einstehen wollen oder nicht. Charakterentwicklung sieht man also nicht nur bei Fanny, was ich sehr mochte.
Leider ging aber manchmal die Spannung bei mir verloren, da die erwartete Suche nach ihren Eltern eher nebenbei erwähnt  und nicht aktiv betrieben wurde. Mir fehlte dadurch ein spannender roter Faden, der mit den einzelnen spannenden Abschnitte/Fragen verwoben ist. Besonders da diese durch die Zeitsprünge auch nicht fließend sind.

Das Ende des Buches bzw. die Aufdeckung, wer die Eltern von Fanny sind, hat mir allerdings nicht gefallen. Nach der Aufdeckung dessen war mir da eine Begegnung dann doch zu zufällig. Ich gehe mal davon aus, dass nur die Leser des Buches ahnen können, was ich hier grad anspreche und ich will auch nicht sagen, dass es solche Zufälle im realen Leben nicht gibt, aber in Büchern wirkt das auf mich dann immer sehr gewollt und konstruiert.


Fazit


Mit Das Mädchen mit der goldenen Schere liefert uns Julia Drosten eine unterhaltsame Geschichte durch drei Jahrzehnte. Fanny ist ein sehr interessanter Charakter und ich habe sie auf ihrem Lebensweg gerne begleitet.

Kommentare:

  1. Hallo!
    hach, das Buch klingt total interessant und spielt auch noch in Wien. Außerdem liebe ich Bücher, die in dieser Zeit spielen. Es kommt gleich mal auf meine Wunschliste!
    Liebe Grüße
    Martina
    https://martinasbuchwelten.blogspot.co.at/

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    1. Hach, das freut mich doch, dass ich dir ein Buch empfehlen konnte. Wünsch dir dann viel Spaß beim Lesen, sobald es von der Wunschliste in dein Bücherregal gelandet ist.

      Gruß Isbel

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