17 August 2017

{autorentage} Interview mit Marchese


Isbel: Verehrter Marchese, es ist mir eine Ehre Euch begrüßen zu dürfen. Eure Geschichte oder soll ich besser sagen Euer Abenteuer, welches Ihr erlebt habt und das unter dem Titel „Das Gift der Schlange“ in jeder guten Bibliothek zu finden ist, hat mich fasziniert. Es freut mich, dass Ihr Euch bereit erklärt habt, uns etwas über die Zusammenarbeit mit der verehrten Frau Drucker zu erzählen. Mögt Ihr Sie uns einmal kurz vorstellen?

Marchese: Mit dem größten Vergnügen. Ich selbst spreche übrigens von einem Auftrag oder einer Mission, während Frau Drucker gerne den Begriff Abenteuer verwendet. Vielleicht, weil sie mit Abenteuerliteratur selbst den Einstieg ins Lesen fand. Als Teenager hat sie Karl Mays Winnetou-Erzählungen verschlungen und sie hatte einen Hang zu Heldensagen. Als sie Friedrich Schiller für sich entdeckte, konnte jedoch nichts anderes mehr in ihrer Gunst mithalten. Ihrer Vorliebe für Helden ist sie bis heute treu geblieben, und ich bin sehr zufrieden, dass sie das Heldentum von verschiedenen Seiten beleuchtet. So zeigt sie, wie zerrissen wir innerlich oft sind, wie wir uns zwischen unserem Ehrenkodex, den eigenen und den fremden Erwartungen aufreiben und unsere persönlichen Wünsche oft hinter der Aufgabe zurückstellen müssen. 



Isbel: Wie arbeitet Frau Drucker? Hat sie bestimmte Zeiten zum Schreiben? Einen festen Arbeitsplatz oder bestimmte Dinge, die immer anwesend sein müssen?

Marchese: Sie schreibt über den ganzen Tag verteilt, doch die besten Texte entstehen zu nächtlicher Stunde. Ich liebe vor allem unsere Zusammenarbeit bei brennenden Kerzen und gedämpftem Licht und bin sicher, dass auch sie das genießt. Auch auf Reisen richtet sie sich immer einen Schreibtisch ein und am liebsten arbeitet sie in völliger Stille.

Isbel: Und was tut sie, wenn sie nicht am Schreiben ist? Hat sie bestimmte Hobbys oder andere Verpflichtungen?

Marchese: Sie liest gerne, sieht sich Qualitätsserien an und wenn ein guter Film läuft, vergisst sie im Kino die restliche Welt. Findet Ihr nicht auch, dass man ihre Liebe zu Film und Theater ihren Romanen anmerkt? Sobald sie Dialoge schreiben kann, blüht sie auf. Sie erfreut sich aber genauso an jazzigen Balladen mit rauchigen, dunklen Stimmen, an Musicals und gelegentlich an klassischer Instrumentalmusik. Wenn Tschaikowski, Khatchaturian, Rachmaninow oder andere Russen durch die Wohnung oder den Konzertsaal tönen, taucht sie ein in große, gewaltige Gefühle. Gut, dass sie in Wien wohnt, denn da ist sie von Kunst und Kultur umgeben.

Isbel: Ihr seid ein aufmerksamer Beobachter. Sind Euch Angewohnheiten bei Frau Drucker aufgefallen, die charakteristisch für sie sind?

Marchese: Unübersehbar ist ihr Hang zur Ästhetik. Sie liebt es puristisch und wählt jeden Gegenstand sehr sorgfältig aus, denn Schönheit und Design sind ihr wichtiger als Masse und Funktionalität. Sie hat ein Faible für stilvolle Kleidung und für elegant gedeckte Tische. Ihre Wohnung ist immer ordentlich, die Dinge sind stets an ihrem Platz, aber sie hat das Putzen nicht erfunden ;-)

Isbel: Ihr habt doch sicherlich einen Blick in das Bücherregal von ihr werfen können. Welches Genre überwiegt dort? Gibt es ein Buch, welches sie Euch empfohlen hat, weil jeder dieses einmal im Leben lesen sollte?

Marchese: Sie hat sich im Lauf ihres Lebens von mehr als 6000 Büchern getrennt und jetzt stehen nur mehr diejenigen im Regal, die sie ein zweites Mal lesen würde: Eine Schiller-Gesamtausgabe, mehrere Bände von Elizabeth Georges Inspector-Lynley-Romanen und ein paar Bände mit Gegenwartsliteratur. John Grishams "Firma" hat sie übereilt aussortiert, sie meint, dieses Buch gehöre jedoch unbedingt zu ihr. Immer sind die Protagonisten männlich, sie sucht starke Charaktere und dramatische Handlung.

Was Genres betrifft, ist ihr E-Reader aufschlussreicher. Hier überwiegen Gay Romance, Anwalts- und Wirtschaftsthriller und historische Romane, und ich hege den Verdacht, dass in Zukunft noch etliche Spionage- und Agentenromane und Thriller im Kunst- und Kulturmilieu hinzukommen.

Dringend ans Herz gelegt hat sie mir "Don Karlos" (Friedrich Schiller), "Stolz und Vorurteil" (Jane Austen) und "Winnetou III" (Karl May)

Isbel: Es gibt auch sehr brutale Szenen in Eurer Geschichte. Fiel es ihr leicht, die richtigen Worte zu finden oder mussten die Szenen öfter in Angriff genommen werden? Ich denke da zum Beispiel, an die Geschehnisse beim Kardinal, als er Euch seine Statuensammlung zeigen wollte.

Marchese: Die schwärzeste Stunde in meinem Leben! Die Erstfassung ist meist schnell geschrieben und fällt manchmal noch extremer aus, doch sie feilt sehr lange an solchen Szenen, weil sie will, dass jedes Wort hundertprozentig passt. Es geht ihr dabei nämlich nicht um die Brutalität als solche, sondern um die Gefühle, Gedanken und Reaktionen des Opfers. Diese Szenen sollen unter die Haut gehen und den Leser in das Opfer versetzen. Ihre ursprüngliche Absicht war übrigens, mich davonkommen zu lassen, doch das wäre nicht plausibel gewesen. Sobald sie das merkte, empfand sie ziemliches Unbehagen und war gespannt, wie ich mich anschließend verhalte. Denn so, wie die Szene jetzt im Buch steht, stand sie nicht im Plot.

Isbel: Ein weiteres Abenteuer von Euch „Der Schwur der Schlange“, welches ich schon sehr bald lesen möchte, ist schon geschrieben. Können wir Leser denn noch auf weitere Geschichten von Euch hoffen? Welche Projekte sind von Frau Drucker gerade in Planung?

Marchese: Im Herbst erscheint unter B.D. Winter der erste Band von "Shark Temptations", einer Reihe mit Gay Romantic Suspense. Diese Reihe spielt im heutigen Wien und verbindet Liebe mit spannenden Fällen aus der Kunstszene und der Atmosphäre von James Bond. Dann steht die Rohfassung meines nächsten Abenteuers auf dem Arbeitsplan. Aus derzeitiger Sicht werden meine Missionen zumindest sieben Bände umfassen.

Isbel: Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen. Ich wünsche Euch für Eure weiteren Missionen viel Erfolg!

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