{rezension} Die Konkubine von Shanghai


Autor: Hong Ying
Verlag: Aufbau Verlag
Einband: gebundene Ausgabe
Seiten: 459
Sprache: deutsch
ISBN: 978-3-351-03269-2

 


Erster Satz


"Sie hatte keine Zeit für die Vergangenheit."

 

Klappentext


Shanghai zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Luxus und Verbrechen blühen im "Paris des Ostens", während die stolze Cassia zur Königin der Stadt wird. Mit erzählerischer Kraft und voll freizügiger Erotik beschreibt Hong Ying den Aufstieg und Fall einer selbstbewussten Frau, die als berühmte Konkubine und Patin von Shanghai in die Geschichte einging.


Meine Meinung


Das Buch habe ich mir gekauft, weil ich gerne mal eine Biografie lesen wollte. Bei der Auswahl an Biografien ist die Wahl gar nicht so leicht. Ich wollte was aus einem anderen Land und einer anderen Zeit. Aus der Auswahl habe ich dann die interessantesten Klappentexte rausgesucht und mich letztendlich vom Cover verleiten lassen.
Ich habe keinen Vergleich mit anderen Biografien, aber in meinen Augen war dieses Buch eine Mischung aus Roman und Biografie. Ich muss gestehen, dass ich nach dem Lesen gar nicht mehr so sicher bin, ob das wirklich alles so geschehen ist oder ob die Geschichte sich nur an der wahren Geschichte von Xiao Yuegui orientiert.

Cassia, wie Xiao Yuegui im Buch genannt wird, ist ein Waisenmädchen, welches von ihrer Tante an eine Bordellbesitzerin verkauft wird. Obwohl sie nicht dem Schönheitsideal entspricht, vor allem weil sie keine Lotusfüße (abgebundene Füße (10 -13 cm)) hat, verliebt sich der Großmeister des Hong-Bundes (Mafia ähnliche Struktur) in sie. Damit beginnt für Cassia eine neue Zeit. Aus dem einfachen, armen Waisenmädchen wird die einflussreichste Frau Shanghai, aber um ihren Platz halten zu können, muss Cassia kämpfen und ihr Körper wird ihre wichtigste Waffe. Die im Klappentext angekündigte "freizügige Erotik" fand ich im Buch selbst nicht. Da bin ich von anderen Büchern detaillierte Beschreibungen gewöhnt.

Mit Cassia konnte ich nicht richtig warm werden. Das ganze Buch ist sehr distanziert geschrieben. Wahrscheinlich ist das bei Biografien so. Auch werden viele Dinge nicht erklärt, zum Beispiel die Struktur des Hong-Bundes. Da die Triaden ihre Geheimnisse für sich behalten, liegt das vielleicht auch daran, dass die Autorin selbst keinen Einblick hatte. Leider hat das viele Fragen aufgeworfen. Allerdings vermittelt sie die damaligen Werte sehr gut, sodass man auch ohne viele Erklärungen schnell merkt, ob Cassia grade einen Tabu-Bruch durchführt oder nicht. 

Was mich allerdings genervt hat, waren die unangekündigten Zeitsprünge. Ein Kapitel beginnt neu und vier Seiten später erfährt man erst, in welchem Jahr man ist. Auf solche Sprünge habe ich mich aber relativ schnell eingestellt. Woran ich mich auch gewöhnen musste, war die plötzlich auftretende Ich-Perspektive der Chronistin, die ihre Meinung zu Handlungen kundtat. 

Das Buch endet im Jahre 1927 und mit offenen Fragen. Leider, wie ich finde. Ich fand Cassias Geschichte von Kapitel zu Kapitel interessanter und spannender. Dazu schreibt die Autorin leider nur: "Doch jeder Einwohner Shanghais kennt die Antworten auf diese Fragen; längst wurden sie in die Geschichtsbücher aufgenommen, sie sind sozusagen auf ewig in das Gedächtnis Shanghais eingeschrieben." (S. 435) 



Bewertung





Autorin


Hong Ying, 1962 in Sichuan geboren, wuchs in den Slums von Chongqing am Rande des Jangtse in China auf. Nach einer Kindheit und Jugend in größter Armut verließ sie mit 18 ihren Heimatort, um in  Peking ein neues Leben als Autorin zu beginnen. Angesichts von Repressionen und Zensur wanderte sie 1989 nach England aus und kehrte erst kürzlich wieder nach China zurück. International wurde sie durch ihren Roman Der chinesische Sommer und ihr Lebensbuch Tochter des großen Stromes bekannt. Ihr Buch Die chinesische Geliebte stand wochenlang ganz oben auf der Spiegel-Bestsellerliste.




1 Kommentar:

  1. Liebe Isabel,

    ich habe dich mit dieser Rezension auf meiner Weltreiseseite in China verlinkt. Ich hoffe, dass das ok ist. Ansonsten sag mit bitte einfach bescheid, dann nehme ich den Link direkt wieder raus :)

    Liebe Grüße
    Ciri

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