{rezension} Die Nacht der Tausend Farben - Tödliche Elemente

Autor: Claudia Rehm
Verlag: Selfpublish
Einband: eBook // Seiten: 468 (print)
ISBN: 978-1-517-77649-7
Erschienen: 2015

Reihe: Die Nacht der Tausend Farben
(1) Tödliche Elemente (2) Verratene Elemente (3) Rebellische Elemente


Vielen Dank an Claudia Rehm für das Rezensionsexemplar!


Klappentext


Wenn ihre Feinde es nicht schaffen sie zu töten, dann werden es ihre Freunde... 
In der Nacht der Tausend Farben sollen junge Formwandler erstmals ihre tierische Gestalt erfahren. Doch was, wenn die feierliche Wandlungszeremonie eine gefürchtete Fähigkeit offenbart, die eine Gefahr für andere Magier ist? Der sechzehnjährigen Emma widerfährt genau dieses Schicksal. Ihre eigenen Freunde im Reich der weißen Magie wollen sie lieber tot sehen, als im Besitz dieser seltenen Gabe. Verzweifelt nimmt sie die Hilfe eines schwarzen Magiers an, der ihr auf der dunklen Seite der magischen Künste Schutz verspricht. Schon bald muss Emma sich jedoch fragen, auf welcher Seite sie nun tatsächlich stehen will: Auf der Seite der weißen Magie, wo man sie fürchtet und ihr nach dem Leben trachtet, oder auf der Seite der schwarzen Magie, wo sie sich plötzlich mit einer noch viel größeren Gefahr konfrontiert sieht als der, getötet zu werden.

Meine Meinung


Das Buch lässt mich ja etwas zwiegespalten zurück. Ich fand die Thematik sehr interessant und im Grunde auch toll wie die Handlung verlaufen ist, aber es gab so Kleinigkeiten, die mich etwas gestört haben. Den Einstieg in die Geschichte fand ich sehr gut gewählt. Wir befinden uns mit Emma gleich bei ihrer Wandlungszeremonie und ihre Aufregung und Anspannung durch den Druck, der auf ihr lastet, habe ich gut nachfühlen können. Das System mit der Vergabe der Tierart und ihre Bedeutung war interessant, allerdings habe ich es hier schon merkwürdig gefunden, dass man als minderwertig und böse verurteilt, wenn man ein falsches Tier erhält, obwohl man sich in seinem Leben nie böse verhalten hat oder aktiv Gesetze gebrochen hat. Vor allem konnt ich nicht nachvollziehen, dass die eigenen Familien sich abwenden. Man liebt doch seine Kinder, oder nicht? Im Einzelfall hätte ich es verstehen können, aber nicht in dem Maße wie es im Buch geschieht.

Auch der Konflikt selbst zwischen den weißen und schwarzen Magiern fand ich zu einfach gestrickt. Bzw. er hätte für mich mehr in die Tiefe gehen könnte. Am Anfang war ich selbst ja noch auf der schwarzen Seite, weil ich gehofft hatte, dass die schwarzen Magier die Ungerechtigkeit hinter der weißen Fassade bekämpfen wollen, aber es ging nur um Macht. Klischee Schwarz vs. hinterhältiges Weiß. Das Letztere vom Charakter her edel und gut sein soll, hatte ich schon beim System von der "weißen Welt" hinterfragt. Und im Verlauf der Geschichte habe ich mich öfters gefragt, ob gewisse Personen nicht ein falsches Tier erhalten haben. Aber zum Glück gab es Charaktere, die "normal" waren. Die nicht böse waren, nur weil sie aufgrund ihres Charakters ein "niederes" Tier erhielten. Myla ist zum Beispiel eine solche Person. Die Verachtung und Verstoßung der Weißen hat sie in die Arme der Schwarzen getrieben und ich würde sie nicht als mordlüstern und nur auf ihren Vorteil bedacht beschreiben. Sie ist nett, versucht das beste aus ihrem Leben zu machen und wird für Emma eine gute Freundin, auf die man sich verlassen kann.
Emma selbst fand ich nach der Wandlung etwas merkwürdig. Entschuldigt bitte, dass ich jetzt vorgreife, aber sie war an einem sicheren Ort, hat den Plan ihres Bruder durchdacht und zugestimmt, hat extreme Vorurteile gegen die Schwarze Magie und entscheidet sich dann doch mit einem wildfremden Typen mitzugehen, der auch noch verlangt, dass sie ihren Bruder umbringt? Ich habe diese Stelle zweimal gelesen, weil ich beim ersten Mal gedacht, dass ich irgendein unglaubliches gutes Argument überlesen habe, hatte ich aber nicht. Zum Glück hat Emma danach etwas mehr Vernunft bei ihren Entscheidungen bewiesen, sodass ich ihr diese idiotische Handlung verzeihen konnte. Übrigens fand ich diesen "wildfremden" Typen namens Harris richtig gut, weil ich bei ihm nie wusste, ob er Emma im nächsten Moment verrät oder nicht.
Abgesehen davon gefiel mir der Spannungsaufbau sehr gut. Stück für Stück erkennt Emma, was der Fürst der schwarzen Magier wirklich im Schilde führt, bzw wird von einer weiteren Person, die mehr hinterfragt als sie, zu dieser Erkenntnis geführt. Sie und ihre Freunde müssen immer wieder Pläne schmieden und Rückschläge verkraften, verlieren aber ihr Ziel nicht aus den Augen und sind bereit ihr Leben zu opfern. Die Geschichte hat es auch immer wieder geschafft mich mit ihren Wendungen zu überraschen, weil ich sie so nicht vorausgesehen hatte.

Die Erzählperspektive und der Schreibstil waren allerdings etwas merkwürdig. Zuerst dachte ich an einen personalen Erzähler, dann wirkte es mehr auktorial, dann wieder personal. Und auf einmal tauchen Minikommentare des Erzählers auf. Das war etwas anstrengend zu lesen. Der Schreibstil ist sehr "adjektivreich". Ständig heißt es "das Mädchen mit den feuerroten Haaren", das Mädchen mit den eisblauen Augen", "das Mädchen mit der karamellfarbenen Haut", "der Junge mit wuscheligen, dunkelbraunen Haaren", etc. Und Emma fängt auch ständig an in ganzen normalen Unterhaltungen zu säuseln oder hauchen. Irgendwann habe ich nur noch die Augen verdreht, wenn solche Stellen kamen.


Fazit


Eine interessante Geschichte, die zwar einen klischeehaften Grundkonflikt hat und durch Perspektive und Schreibstil anstrengend zu lesen war, aber durch ihre Protagonisten und Wendungen überzeugen konnte.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...